Leserstimmen zum Buch: Brigitte Cleve

Aus meiner Schulzeit blieben mir bis heute viele Fragmente all der klassischen Gedichte in Erinnerung, die ich einst mühselig auswendig lernen sollte, ohne dass sie mir wirklich unter die Haut gingen. Mit Gegenwarts- oder der sogenannten „modernen“ Lyrik hatten sie wenig zu tun.

Es muss auch anderen meiner Altersklasse so ergangen sein, denn Aussagen wie: Ungereimte Gedichte sind nicht so mein Fall bis hin zu: Was heißt hier, Verkürzung bringt erst die richtige Strahlkraft von Worten hervor. Für mich sind das nur brotlose Kunstübungen.

Ich selber empfand erst im Laufe der Jahre moderne Lyrik als eine bereichernde Herausforderung und schaute mich gerne auch nach Veranstaltungen und Büchern um, die mich dahingehend weiterbringen sollten. Dabei kamen dann auch bei Facebook Einladungen für das Kleinkunstprogramm „Poesie trifft Komposition“ der Hamburger Eheleute Schönfeld in mein Blickfeld sowie die Vorstellung des letzten Buches der Autorin und Journalistin Maren Schönfeld „Töne, metallen, trägt der Fluss“, über das ich nachstehend berichten möchte. Als Hamburg-Liebhaberin war mein Interesse durch den Untertitel „Eine lyrische Elbreise“ zusätzlich angefacht. Bereits nach dem ersten Schnupperblättern wusste ich, dass ich bei künftigen Besuchen in dieser wunderbaren Stadt und in ihrem außergewöhnlichen Umfeld manches mit ganz anderen Augen betrachten würde.

Den zweiten und dritten Lesedurchgang teilte ich mir in Häppchen auf, schloss immer mal wieder die Augen, ließ mir Zeit, besonders sensible Sätze in Bilder umgewandelt auf mich wirken zu lassen, wie den in der ersten nach dem Gedicht In der Stadt folgenden Eingangsgeschichte Spaziergang: Vorsichtig tritt sie einen Schritt zurück, um die Amsel nicht zu stören… Über ihre bittersüßen Erinnerungen an Weihnachtstage in zurückliegenden Kinderjahren wird es dunkel. Es zieht sie zum Fluss. Während sie den taghell erleuchteten Hafen betrachtet, seinen Geräuschen lauscht, mischen sich mit ihnen Glockenklänge; Zeit, nach Hause zu gehen. Ich gehe in Gedanken mit, berührt.

Die Überleitung zu folgenden Stadtgedanken empfinde ich mit dem Gedicht Heute Nacht gut gelungen. Sturm, der durch Stadtlücken pfeift, gab es zu allen Zeiten, dass sie im zweiten Weltkrieg noch von anderen Stürmen umtost wurden, macht die Geschichte Jene Nacht deutlich. Hamburg wurde in ihr nicht von Laternenlicht, sondern von Zerstörung ankündigender „Tannenbaumillumination“ erhellt, die Bombenangriffen voraus gingen. Sirenen gellten, Menschen schrien in Todesangst.

Die im Buch folgenden Brachen-, Häuser- und Fassadengedichte lassen meinen Pulsschlag wieder ruhiger und meine gedankliche Begleitung der Autorin bei ihrer Wanderung Elbufer, literarisch zum besonderen Genuss werden.

Dass ihre vielfältigen Beobachtungen reichlich Stoff für ihre Gedichte lieferten, die im Buch ab Seite 46 folgen, verwundert mich nicht. Die Art, wie sie ihre Eindrücke von den Besonderheiten des Elbufers, von der Marsch- über die Wattenlandschaft umsetzt, bis man sich als Leser zusammen mit ihr beglückt am offenen Meer wiederfindet, hat auf mich großen Eindruck gemacht.

Danke dafür, Maren Schönfeld.

Apropos Meer – das Buch macht Lust auf  m e h r.


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