Text der Woche: Ella in der Stadt

Es sind nur ein paar hundert Meter, aber Ella weiß nicht, ob sie jemals ankommen wird. Sie sieht an Gebäuden links und rechts hoch, riesenhaft­e Glasfassaden ohne Zeichen mensch­lichen Lebens. Kein offe­nes Fenster. Ella ist winzig auf dem heißen Asphalt, wie sie dort steht mit hängenden Schultern und schwerem Atem. Die dürren Äste eines Baumes in einem Quadratmeter Erde spenden keinen Schatten. Kalt glit­zert der Bürgersteig.

Ella zwingt sich, zu gehen, doch obwohl sie einen Fuß vor den anderen setzt, hat sie das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen. Die Haare kleben ihr im Nacken und ihre Beine schmerzen. Erbarmungslos spiegeln Glas­fassaden das Sonnenlicht. Ellas Kopf schmerzt; Häuser scheinen zu­sammenzurücken, der Asphalt scheint näherzukommen.

Sie flüchtet in den Innenhof eines Bauwerks, hier ist es dunkel, Ella von Stahl und Glas um­geben und Hunderten von Menschen. Stim­men re­flektieren im hohlen Raum, werden von den Wänden multipliziert.

Ella schleppt sich zu einem grell bunten Selbstbedienungslokal, in dem der Kuchen farblich zur Einrichtung passt. Alle Tische sind besetzt; Ella bestellt Kaffee, setzt sich irgendwo dazu. Plötzlich ist ihr kalt, sie weiß nicht mehr, wohin sie eigentlich wollte. Sie nimmt den Pappbecher in beide Hände, starrt in die flirrende Luft.

 

(aus: Töne, metallen, trägt der Fluss – Eine lyrische Elbreise, S. 30)

Lesung am 24. Mai 2018

Im Rahmen des Clubkonzerts „Zwischen den Welten“ am 24.5. um 20 Uhr werde ich einige Gedichte aus dem Buch „Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise“ zum Besten geben. Hauptprogramm ist Instrumentalmusik von Wolfgang CG Schönfeld (E-Bass) und Thomas Styhn (E-Gitarre).

Nostalgia Bar, Große Brunnenstr. 81, 22763 Hamburg-Ottensen
Der Eintritt ist frei, Spende willkommen!

Ich freue mich auf Euch!

Leserstimmen zum Buch: Brigitte Cleve

Aus meiner Schulzeit blieben mir bis heute viele Fragmente all der klassischen Gedichte in Erinnerung, die ich einst mühselig auswendig lernen sollte, ohne dass sie mir wirklich unter die Haut gingen. Mit Gegenwarts- oder der sogenannten „modernen“ Lyrik hatten sie wenig zu tun.

Es muss auch anderen meiner Altersklasse so ergangen sein, denn Aussagen wie: Ungereimte Gedichte sind nicht so mein Fall bis hin zu: Was heißt hier, Verkürzung bringt erst die richtige Strahlkraft von Worten hervor. Für mich sind das nur brotlose Kunstübungen.

Ich selber empfand erst im Laufe der Jahre moderne Lyrik als eine bereichernde Herausforderung und schaute mich gerne auch nach Veranstaltungen und Büchern um, die mich dahingehend weiterbringen sollten. Dabei kamen dann auch bei Facebook Einladungen für das Kleinkunstprogramm „Poesie trifft Komposition“ der Hamburger Eheleute Schönfeld in mein Blickfeld sowie die Vorstellung des letzten Buches der Autorin und Journalistin Maren Schönfeld „Töne, metallen, trägt der Fluss“, über das ich nachstehend berichten möchte. Als Hamburg-Liebhaberin war mein Interesse durch den Untertitel „Eine lyrische Elbreise“ zusätzlich angefacht. Bereits nach dem ersten Schnupperblättern wusste ich, dass ich bei künftigen Besuchen in dieser wunderbaren Stadt und in ihrem außergewöhnlichen Umfeld manches mit ganz anderen Augen betrachten würde.

Den zweiten und dritten Lesedurchgang teilte ich mir in Häppchen auf, schloss immer mal wieder die Augen, ließ mir Zeit, besonders sensible Sätze in Bilder umgewandelt auf mich wirken zu lassen, wie den in der ersten nach dem Gedicht In der Stadt folgenden Eingangsgeschichte Spaziergang: Vorsichtig tritt sie einen Schritt zurück, um die Amsel nicht zu stören… Über ihre bittersüßen Erinnerungen an Weihnachtstage in zurückliegenden Kinderjahren wird es dunkel. Es zieht sie zum Fluss. Während sie den taghell erleuchteten Hafen betrachtet, seinen Geräuschen lauscht, mischen sich mit ihnen Glockenklänge; Zeit, nach Hause zu gehen. Ich gehe in Gedanken mit, berührt.

Die Überleitung zu folgenden Stadtgedanken empfinde ich mit dem Gedicht Heute Nacht gut gelungen. Sturm, der durch Stadtlücken pfeift, gab es zu allen Zeiten, dass sie im zweiten Weltkrieg noch von anderen Stürmen umtost wurden, macht die Geschichte Jene Nacht deutlich. Hamburg wurde in ihr nicht von Laternenlicht, sondern von Zerstörung ankündigender „Tannenbaumillumination“ erhellt, die Bombenangriffen voraus gingen. Sirenen gellten, Menschen schrien in Todesangst.

Die im Buch folgenden Brachen-, Häuser- und Fassadengedichte lassen meinen Pulsschlag wieder ruhiger und meine gedankliche Begleitung der Autorin bei ihrer Wanderung Elbufer, literarisch zum besonderen Genuss werden.

Dass ihre vielfältigen Beobachtungen reichlich Stoff für ihre Gedichte lieferten, die im Buch ab Seite 46 folgen, verwundert mich nicht. Die Art, wie sie ihre Eindrücke von den Besonderheiten des Elbufers, von der Marsch- über die Wattenlandschaft umsetzt, bis man sich als Leser zusammen mit ihr beglückt am offenen Meer wiederfindet, hat auf mich großen Eindruck gemacht.

Danke dafür, Maren Schönfeld.

Apropos Meer – das Buch macht Lust auf  m e h r.

Ein Song zu meinem Buch

Thomas Styhn hat sich inspirieren lassen und einen Song kreiert!

Hier der Link zum Song nebst Video:

 

Vielen herzlichen Dank, es ist eine große Freude, wenn künstlerische Werke andere Künstler inspirieren und damit – wie ein Stein, der ins Wasser fällt – weitere Kreise ziehen. Vielleicht wird jetzt wieder jemand zu dem Song schreiben? Oder malen? Ich bin gespannt …

Buchpremiere im Gohliser Schlösschen

14 Texte trug ich am vergangenen Samstag vor, anmoderiert von meinem Verleger Werner Schmid aus dem Wiesenburg-Verlag. Gut versorgt mit Keksen, Tee, Kaffee und kalten Getränken kamen wir miteinander im Backstage-Raum ins Gespräch (alle Akteurinnen und Akteure des Abends). Nach der Lesung gab es noch eine Runde Frankenwein vom Wiesenburg Verlag. Es war ein wundervoller Abend!

Gemeinsam mit mir las Susanne Leiste-Bruhn aus ihrem Haiku-Buch „Seezeichen“.

Hier einige Impressionen:

Die Fotos sind von Wolfgang Schönfeld, bis auf das eine, das Gustav Franz geschossen hat. Danke!

Erste Lesung und Buchvorstellung heute Abend

Heute Abend werde ich zum ersten Mal aus diesem Buch lesen. Eine Viertelstunde mit zwei Prosatexten und einer Reihe Gedichten gestalte ich um 21 Uhr im Rahmen der Wiesenburg-Lesung im Gohliser Schlösschen, Menckestr. 23, 04155 Leipzig. Der Eintritt ist frei!

Ich freue mich sehr auf die Lesung, mit der ich ein bisschen nordisches Flair ins tief verschneite Leipzig bringen möchte.

Gemeinsam mit mir stellt Susanne Leiste-Bruhn ihr Buch vor, es heißt „Seezeichen“ und ist ebenfalls im Wiesenburg Verlag erschienen.

Nach der Lesung lädt unser Verleger Werner Schmid zu Frankenwein und Gesprächen ein.

Buch besucht!

Da ist es auf dem Messestand des Wiesenburg Verlags! Sein Nachbar ist mein Vorgängerband „Die Peripherie des Lichts“, ich freue mich sehr darüber, dass beide Bücher präsentiert werden. Danke an Wiesenburg!

Leipzig liest: Buchvorstellung

Die erste Lesung wird nicht in Hamburg, sondern in Leipzig sein:

Am 17. März um 21 Uhr lese ich zusammen mit Susanne Leiste-Bruhn im Rahmen der traditionellen Wiesenburg-Lyrikveranstaltung im Gohliser Schlösschen. Mit dieser Veranstaltung endet die Reihe „Lyrik im Schlösschen“, die jedes Jahr parallel zur Leipziger Buchmesse stattfindet.

Das ganze Programm der Reihe Lyrik im Schlösschen 2018:

Donnerstag, 15. März, 17-22 Uhr
Freitag, 16. März, 17-22 Uhr
Sonnabend, 17. März, 17-22 Uhr
LESELUST IM SCHLÖSSCHEN
Leipzig liest – Lyrik im Schlösschen
(Haupthaus/Ergeschoss – Zugang über Menckestr. 23)
„Leipzig liest“ gehört seit über 25 Jahren zu den Markenzeichen Leipzigs und gilt als Europas größtes Lesefest. In diesem Jahr werden zahlreiche Autoren aus dem In- und Ausland auf mehr als 3000 Veranstaltungen an nahezu 550 Leseorten ihre aktuellen Werke präsentieren.
Traditionsgemäß findet im Gohliser Schlösschen die Reihe „Lyrik im Schlösschen“ statt, bei der sich ausnehmend Verlage und Autoren dieser Sparte vorstellen.
Eintritt frei
Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Kulturamt der Stadt Leipzig

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Leipzig liest – Lyrik im Schlösschen-PROGRAMM: 
LESEORT:
Salon im Haupthaus/Ergeschoss – Zugang über Menckestr. 23

Donnerstag, 15. März, 18 Uhr
Ulf Annel: „Silbergraublau“ – Lyrik von der Mecklenburger Ostseeküste
Veranstalter: Demmler Verlag

Donnerstag, 15. März, 19 Uhr
Elmar Schenkel, Kathrin Schmidt, Matthias Biskupek: Poesiealbum
Veranstalter: Märkischer Verlag

Donnerstag, 15. März, 20 Uhr
Kathrin Schmidt: waschplatz der kühlen dinge
Veranstalter: Kiepenheuer & Witsch

Donnerstag, 15. März, 21 Uhr
Michael Krüger: Einmal einfach
Veranstalter: Suhrkamp Verlag

Freitag, 16. März, 17 Uhr
Jutta Pillat, Grit Kurth, Linde Unrein, Brunhild Fischer (Querflöte), Doris Linde (Viola da Gamba): In diesen prosaischen Zeiten
Veranstalter: GEDOK

Freitag, 16. März, 18 Uhr
Ursula Haas, Beat Toniolo: Wortfisch im grünen Aquarium
Veranstalter: edition bodoni

Freitag, 16. März, 19 Uhr
Peter Gosse, André Schinkel: Lyrische Ergüsse über Zweisamkeit, Schönheit, Begierde, Schmerz, Leidenschaft und das Leben
Veranstalter: Mitteldeutscher Verlag

Freitag, 16. März, 20 Uhr
Jürgen Bulla, Bert Siegfried, Christiane Wyrwa, Matthias Klein: Lichterloh
Veranstalter: scaneg Verlag

Sonnabend, 17. März, 17 Uhr
Thomas Hertel: Hey, Mister Parkinson!
Veranstalter: Gohliser Schlösschen

Sonnabend, 17. März, 18 Uhr
Die Zeitschrift „Poesiealbum neu“ im 12. Jahrgang
Veranstalter: Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Sonnabend, 17. März, 19 Uhr
Carl-Christian Elze, Sibylla Vri?i? Hausmann, Janin Wölke: 3 lyrisch-poetische Positionen
Veranstalter: avant-verlag, Dimension 11

Sonnabend, 17. März, 20 Uhr
Marius Tölzer: Ein rätselschönes Schweigen
Veranstalter: Mirabilis Verlag

Sonnabend, 17. März, 21 Uhr
Susanne Leiste-Bruhn, Maren Schönfeld: Lyrik-Abend des Wiesenburg Verlags: Kult seit über 20 Jahren! 
Veranstalter: Wiese
nburg Verlag 

Kartenverkauf:

http://www.gohliser-schloss.de/html/kunst_karten.php